Nadine Preiss – Tierbetreuung & Ernährung

Trockenfutter für Katzen — warum es noch problematischer ist als beim Hund

Trockenfutter für Katzen — warum es noch problematischer ist als beim Hund

Wenn ich über Trockenfutter beim Hund spreche, nicken viele Halter nachdenklich. Wenn ich dasselbe über Katzen sage, kommt oft Widerstand: „Meine Katze frisst seit Jahren nur Trockenfutter und ist kerngesund.“

Das höre ich oft. Und ich sage dann immer dasselbe: Noch.

Nicht weil ich dramatisieren will — sondern weil viele der Erkrankungen die ich in der Beratung sehe, sich über Jahre schleichend aufbauen. Die Katze die heute kerngesund wirkt, trägt vielleicht bereits die Grundlage für eine chronische Nierenerkrankung oder Diabetes in sich — ohne dass man es sieht.

Warum Katzen noch empfindlicher sind als Hunde

Hunde sind Allesfresser — sie können mit einer gewissen Menge Kohlenhydrate umgehen. Nicht gut, aber besser als Katzen. Katzen sind obligate Fleischfresser — das bedeutet: ihr Körper ist ausschließlich auf tierisches Protein und Fett ausgelegt. Kohlenhydrate kommen in ihrer natürlichen Ernährung so gut wie nicht vor. Ihr Stoffwechsel ist schlicht nicht dafür gebaut.

Trockenfutter besteht zu einem erheblichen Teil aus Stärke — aus Getreide, Kartoffeln oder Erbsen. Diese Stärke wird bei der Verdauung zu Zucker abgebaut. Für eine Katze ist das wie täglich Weißbrot zu frühstücken — der Körper verarbeitet es zwar irgendwie, aber er wurde nie dafür gemacht.

Dazu kommt das Wasser. Katzen stammen ursprünglich von Wüstentieren ab und nehmen ihre Flüssigkeit fast ausschließlich über die Nahrung auf — über das Beutetier, das zu 70–80 % aus Wasser besteht. Trockenfutter enthält nur 7–10 % Wasser. Eine Katze die täglich Trockenfutter frisst, müsste aktiv sehr viel trinken um das auszugleichen — und das tun Katzen von Natur aus nicht. Das Ergebnis ist ein Zustand chronischer leichter Dehydrierung, der sich über Monate und Jahre still im Körper auswirkt.

Die Krankheiten die damit zusammenhängen

Ich nenne hier keine Panikmache — sondern Zusammenhänge die in der Veterinärmedizin beschrieben und gut dokumentiert sind. Dass immer auch andere Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel oder genetische Veranlagung eine Rolle spielen, gehört zur Ehrlichkeit dazu. Aber der gemeinsame Nenner bei vielen dieser Erkrankungen ist derselbe: zu wenig Flüssigkeit, zu viel Stärke, zu viel verarbeitetes Futter.

Harnwegserkrankungen (FLUTD)

FLUTD — Feline Lower Urinary Tract Disease — ist eine der häufigsten Erkrankungen bei erwachsenen Wohnungskatzen. Der Zusammenhang mit zu geringer Wasseraufnahme ist gut belegt. Wer zu wenig trinkt, produziert konzentrierten Urin. In konzentriertem Urin fallen Mineralien leichter aus — es entstehen Kristalle und Steine die die Harnwege reizen, entzünden oder im schlimmsten Fall verstopfen. Besonders gefährdet sind Kater, weil ihre Harnröhre anatomisch enger ist. Ein verstopfter Harnweg ist ein medizinischer Notfall.

Chronische Niereninsuffizienz

Chronische Nierenerkrankungen sind eine der häufigsten Todesursachen bei älteren Katzen. Die Nieren werden durch dauerhaft konzentrierten Urin langfristig belastet — sie müssen mehr arbeiten um die Abfallstoffe auszuscheiden, weil zu wenig Flüssigkeit im System ist. Das schädigt das Nierengewebe über Jahre hinweg still und schleichend. Wenn die Symptome sichtbar werden — Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, übermäßiges Trinken — ist oft bereits ein erheblicher Teil der Nierenfunktion verloren.

Übergewicht

Trockenfutter ist energiedicht — sehr viele Kalorien auf wenig Volumen. Dazu kommt dass es oft zur freien Selbstbedienung hingestellt wird und intensiv aromatisiert ist, was Katzen dazu verleitet mehr zu fressen als sie brauchen. Das Ergebnis ist schleichendes Übergewicht das die meisten Halter erst bemerken wenn es bereits deutlich sichtbar ist. Eine übergewichtige Katze bewegt sich weniger, belastet ihre Gelenke und hat ein deutlich erhöhtes Risiko für alle weiteren Erkrankungen auf dieser Liste.

Diabetes Typ 2

Übergewicht erhöht das Risiko einer Erkrankung an Diabetes — als Hauptfaktor gilt dabei die Fütterung von zuckerhaltigem Futter sowie pflanzliche Inhaltsstoffe und Kohlenhydrate, die vom Körper in Unterarten des Zuckers verstoffwechselt werden. Da Katzen als obligate Fleischfresser überhaupt kein Insulin für Kohlenhydrate produzieren sollten, ist ihr Bauchspeicheldrüsensystem bei dauerhafter Stärkezufuhr besonders gefährdet. Eine diabetische Katze braucht lebenslang Insulin — und in vielen Fällen wäre die Erkrankung durch artgerechte Ernährung vermeidbar gewesen. 

Gelenkprobleme und Arthrose

Übergewicht belastet die Gelenke direkt. Dazu kommt der Entzündungsmechanismus den wir bereits vom Hund kennen: Zu viel Zucker — auch aus Stärke — fördert stille Entzündungsprozesse im Körper die langfristig den Knorpel angreifen. Eine übergewichtige Katze mit Gelenkschmerzen vermeidet den Weg zur Toilette — was wiederum das Harnwegsrisiko erhöht. Ein Teufelskreis der oft mit dem Napf beginnt.

Fell- und Hautprobleme sowie Mangelerscheinungen

Was auf der Trockenfutterpackung als vollständige Nährstoffanalyse deklariert ist, beschreibt den Zustand vor der Verarbeitung bei über 140 Grad Celsius. Was davon nach der Hitzebehandlung noch bioverfügbar im Körper ankommt, ist eine andere Frage. Synthetisch ersetzte Vitamine — besonders fettlösliche wie A, D, E und K — werden vom Katzenkörper deutlich schlechter aufgenommen als natürlich vorkommende. Schleichende Mängel zeigen sich oft zuerst am Fell — stumpf, schuppig, glanzlos — und am Immunsystem. Die Katze wird anfälliger für Infekte, Pilzerkrankungen und Hautprobleme.

Was Katzen wirklich brauchen

Frisches Fleisch, Innereien, etwas Knochen und gezielte Ergänzungen — roh oder gekocht, je nach Katze und Situation. Keine Stärke, keine Füllstoffe, keine synthetischen Vitamine, kein Wassermangel. Eine Katze die Frischfutter bekommt, nimmt über das Futter automatisch ausreichend Flüssigkeit auf — so wie es ihrer Natur entspricht.

Ich weiß dass viele Katzen extrem wählerisch sind und eine Umstellung auf Frischfutter zur Geduldsprobe werden kann. Das ist real — und genau dafür bin ich da. In der Beratung entwickeln wir einen Plan der zu deiner Katze, ihren Vorlieben und deinem Alltag passt. Manchmal beginnt das mit gekochtem Fleisch, manchmal mit einer schrittweisen Umstellung über Monate. Was zählt ist der Weg, nicht die Geschwindigkeit.

Was du jetzt tun kannst

Wenn du neugierig geworden bist und mehr erfahren möchtest — schau dir auch meinen Artikel über Nassfutter für Katzen an, der als nächstes erscheint. Oder melde dich direkt für eine individuelle Beratung.

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